So nennt sich das deutsch-norwegische Trio, das kurz vor der Pandemie an der Musikhochschule in Kopenhagen gegründet wurde, wo Pianistin Clara Vetter während ihres Masterstudiums ihre beiden Mitmusiker kennenlernte. Heute vereint die Band das gemeinsame Spiel auf der Bühne mit den kreativen Möglichkeiten digitaler Produktionsweisen, ein herausragendes Beispiel für die junge, mutige und innovative europäische Jazzszene: spannende zeitgenössische komponierte und improvisierte Jazzmusik.
Das Trio absolvierte mehrere Tourneen durch ganz Deutschland und Europa; ihr Album Live in Cologne erschien 2023, das neue Werk Owls in Council folgte Ende 2025, beide veröffentlicht beim renommierten Schweizer Label Unit Records in Willisau.
Ebenfalls während der Pandemie begann eine intensive Zusammenarbeit zwischen Clara Vetter und Hans Fickelscher in einem Tanzprojekt mit gemeinsam komponierter und improvisierter Livemusik. Auch da spielten kleine „Kompositionsschnipsel“, die weiterentwickelt und mit denen gemeinsam mit den Tänzer:innen improvisiert wurde, eine zentrale Rolle.
So liegt es nahe, dass anlässlich des 8. Europäischen Kultursommers in Fellbach mit den Gastländern Norwegen, Schweden und Dänemark das Trio zum Quartett erweitert wird. Alle drei Jahre stellt dieses renommierte Sommerfestival die kulturelle Vielfalt Europas unter Beweis.
Briefe aus dem Nirgendwo: ein Zusammenkommen von Vergangenheit und Zukunft im Hier und Jetzt: mystisch und dystopisch zugleich, erinnernd an den Soundtrack eines Film Noir.
Die Kompositionen sind ein feines und berührendes Geäst ineinander verschränkter klanglicher Verflechtungen, die mit Leichtigkeit und Virtuosität vorgetragen werden. Sie bilden die Grundlage für neue und gewagte Improvisationen, die akustisch gespielt, immer wieder mit Live-Elektronik verfremdet werden.
Zu der Bandarbeit während der Pandemie schreibt Clara Vetter:
„Zuerst gab es schriftliche Kompositionsskizzen, über die wir dann Soloimprovisationen machten. Als Überwindung der von der Pandemie gesetzten Begrenzungen von Raum und Zeit begannen wir, mit diesen Aufnahmen live zu improvisieren und daraus ein performatives Konzept zu entwickeln. Diese Erfahrungen gaben uns den Mut, Limitierungen nicht als Grenze, sondern als Chance zu begreifen. Den Bandnamen wählten wir, weil sich das Komponieren auf Distanz und das Weiterschreiben an den gemeinsamen Kompositionen, also das Empfangen und Antworten, wie eine Brieffreundschaft angefühlt hat.“
Clara Vetter
entdeckte bereits im Alter von drei Jahren ihre Leidenschaft für das Klavierspiel. Mit 15 war sie Mitglied im Landesjugendjazzorchester Baden-Württemberg und wurde ein Jahr später 1. Preisträgerin beim Landeswettbewerb Jugend jazzt in der Kategorie „Solist:in über 16 Jahre“.
2018 schloss sie ihr Bachelorstudium in Jazz-Klavier an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart ab und gewann im selben Jahr den Stuttgarter Steinway & Sons Förderpreis. Anschließend absolvierte sie ein Masterstudium in Music Performance am Rytmisk Musikkonservatorium in Kopenhagen.
2022 konzertierte sie mit ihrer deutsch-norwegischen Band Letters From Nowhere in Oslo, Göteborg, Kopenhagen, Berlin und Köln. Im Sommer desselben Jahres begann sie ihre Lehrtätigkeit an der Musikakademie Basel (CH) und gewann im Herbst den Kompositionswettbewerb des Deutschen Bundesjazzorchesters.
2023 wurde sie mit dem Baden-Württembergischen Jazzpreis ausgezeichnet, einem der höchstdotierten Jazzpreise Deutschlands. Seit 2025 unterrichtet sie auch an den Musikhochschulen Basel, Stuttgart, Mannheim und Nürnberg.
Hans Fickelscher
gilt als einer der vielseitigsten Jazz- und Weltmusik-Percussionisten Süddeutschlands. Er studierte Jazz Drumming bei Pierre Favre in Stuttgart sowie bei John Riley in New York und arbeitet mit internationalen Musiker:innen wie Maria João (Portugal), Jasper van’t Hof (NL), Greetje Bijma (NL), Natassa Mare (Griechenland), William Lecomte (Frankreich) und Mazen Mohsen (Syrien).
Pädagogisch und künstlerisch wirkt er häufig spartenübergreifend mit Tanz, Schauspiel und Lyrik – etwa im Projekt Impuls am Staatstheater Stuttgart, mit Jazz@Large (das Festivalorchester der IG Jazz Stuttgart e.V.), der inklusiven Bigband Groove Inclusion (über 120 Konzerte weltweit) oder in Poetry Slam & Jazz.
Er ist Bandleader und Komponist eigener Projekte und erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Preise.
Håvard Nordberg Funderud
Gitarrist, Improvisator und Komponist aus Oslo. 2020 schloss er sein Masterstudium am Rytmisk Musikkonservatorium in Kopenhagen ab. Er ist aktives Mitglied der experimentellen Improvisationsszene in Oslo und leitet unter anderem das Quartett Master Oogway sowie das Large Ensemble FULL COMMUNITY.
Improvisation in unterschiedlichen Rahmen und Kontexten ist ein zentraler Bestandteil seiner Musik – stets energiegeladen, forschend und ausdrucksstark.
Petter Asbjørnsen
wuchs im norwegischen Larvik auf, wo ihn die Presse früh als „das Bass-Talent aus Bisjord“ bezeichnete. Für sein Studium zog er nach Bergen, wo er als Komponist und Bassist in der Jazz-, Underground-, Pop- und Rockszene ebenso wie in experimentellen Kontexten aktiv war. Nach seinem Abschluss lebte er in Berlin, bevor er sein Masterstudium am RMC in Kopenhagen begann, das er 2019 abschloss.
Experimentieren und Forschen sind zentrale Elemente seiner Musik. Seit 2013 ist er als Komponist für die Band Liberty Pop tätig, daneben für zahlreiche weitere Projekte wie Pat, Vestfold Jazzensemble und Lekerommet, sowie in Kooperationen in Kopenhagen, Berlin und New York.
Pressestimmen
„Clara Vetter zeichnet sich durch ihren Forschergeist aus – und durch ihre Neugier, Neues auszuprobieren und sich mit Neuem auszuprobieren.“
(Arne Braun, Kunststaatssekretär)
„Hans Fickelscher ist ein sensibler Partner, der klangrhythmische Verbindungslinien zu ziehen und feinnervige Spannungen aufzubauen versteht. Er treibt die Musik an, weiß sich aber auch zurückzunehmen, und agiert stets mit feinem Gespür für Dynamik.“
(Bert Noglik)
„Die Klarheit der offenen Form des Zusammenspiels der Musiker ist nicht sofort erkennbar, doch mit jeder Minute wird deutlich, dass wir es mit einem außergewöhnlichen Werk zu tun haben. Dank der Sensibilität und des Einfallsreichtums der Künstler haben wir es mit einem wunderbaren musikalischen Abenteuer zu tun.“
(Jacek Brun, Jazz-fun.de)
Clara Vetter (Gaggenau) – Piano, Sampler
Håvard Nordberg Funderud (Oslo) – Gitarre, Sampler
Petter Asbjørnsen (Oslo) – Kontrabass, Sampler
Hans Fickelscher (Stuttgart) – Drums, Electronics
Eintritt: 20/15€