DATUM: 7. September 2022
ZEIT: 20:00
Kim Jong Un Made a Pencil Drawing / With 50 Million Euros 7. September 2022

Im neuen Projekt des kölner Musikers Matthias Mainz begegnet der kanadische Sound-Poet Chris Tonelli einem frei improvisierenden Pianotrio mit Christian Ramon und Peter Kahlenborn und dem Computermusiker Hannes Hoelzl.

Der Klang des Jazzklaviertrios setzt hier den stilistischen Bezug – jedoch ist es eher eine Assoziation an den frei improvisierten Jazz der späten 60er und früheren 70er Jahr mit deutlichen Öffnungen an zeitgenössische Musik.
Chris Tonelli montiert Versatzstücke eigener Texte und improvisiert dabei virtuos mit Sprache, Lauten und Sprachgeräuschen. Durch die Ausdifferenzierung der Improvisationsgenres von Jazz bis zu Neuer Musik werden erweiterten Stimmtechniken in der Regel wohl eher nicht als Kernbestandteil der Jazz-Traditionen wahrgenommen, haben aber eine feste Wurzel im Freejazz der sechziger und siebziger Jahre, so dass die Zusammenarbeit Konfrontation und Reminiszenz gleichzeitig sein kann.
Hannes Hoelzl erweitert als Computermusiker die Interaktion in der Signalverarbeitung der anderen Improvisatoren mit einer Klanglichkeit, die ja immer medial und deshalb wie ein vierter Raum wirkt, aber in mit einer haptischen Bedienung des Computers, die momenthaft interagiert und den Rechner so zu einem direkten fünften Instrument werden lässt, der beweglich Minimalistisches bis Noisiges in die hybride Besetzung hineinträgt.

Matthias Mainz arbeitet seit Anfang der Nullerjahre an multistilistischen, als Improvisationsräumen, in dem unabhängige stilistische Genre-Einflüsse in einem improvisatorischen Fluss auftauchen, sich gegenseitig kommentieren, beinflussen oder aufstören dürfen. Die Partner*innen, die Mainz in seinen Projekten zusammenstellt, bestimmen dabei natürlich ganz entscheidend die Felder der Interaktion mit ihren Künstleridentitäten, Instrumentarien und Klangmitteln. Durch die Kontexte, in denen die Projekte stattfinden – und natürlich durch die musikalischen Kontexte, die die Künstler*innen mitbringen und mit denen sie assoziiert werden, neigen sie sich dann eher dem einen oder anderen Genre zu und sind dann eher elektroakustische Musik, Medienkunst, Neue Musik, Improvisierte Musik, Globale Musik oder hier eben: Jazz.

Chris Tonelli ist ein Extended Voice Performer und Autor aus Toronto. Tonelli ist international als Performer aktiv, arbeitet als Assistant Professor für History and Theory of Popular Music an der Universität Groningen zur Geschichte und Theorie von Vokalltechniken und Improvisation und hat hierzu den Band Voices Found: Free Jazz & Singing veröffentlicht. Chris Tonelli und Matthias Mainz lernten sich im Rahmen des deutsch-kanadischen Kooperationsprojektes Aurealities – A Tribute to Paul Dutton kennen, das 2021 in Köln und Berlin aufgeführt wurde.

Mit Christian Ramond und Peter Kahlenborn verbindet sich für Matthias Mainz eine über zwanzigjährige Geschichte – beide waren im Kern des Jazzensembles mit Achim Kaufmann, Claudius Valk und Ramesh Shotham, mit er gegen Ende seines Studiums (noch als Trompeter) auskomponierte Sequenzen über Freejazztexturen montiert hatte, die von der stilpluralistischen Musik aus dem frühen zwanzigsten Jahrhundert zwischen Auflösung der Tonalität und der frühen Neuen Musik geprägt waren.

Der Computermusiker Hannes Hölzl aus dem Umfeld der kölner KHM hatte in den zehn Jahren ab 2003 in allen elektronischen/medialen Projekten mit realtime research mitgewirkt und mit Mainz in elektro-akustischen Konstellationen vom Duo bis Sechstett in Deutschland, Polen, Italien, Norwegen und den USA konzertiert. Seit Beginn der Nullerjahre arbeitet Hölzl auf der Basis des Code-basierten modularen Musiksyntheseprogrammes Supercollider an der Emanzipation des Laptops als autonomen, taktilen Instrumentes. Hoelzl unterrichtet als Assistant Professor an der in der Klasse für Generative Kunst an der Universität der Künste Berlin.

Chris Tonelli – Extended Voice, Autor
Hannes Hölzl – Supercolllider Processing
Matthias Mainz – Piano
Peter Kahlenborn – Schlagzeug
Christian Ramond – Kontrabass

Eintritt: 15/10€

Das Projekt wurde möglich durch die Unterstützung und den kurzfristigen Impuls des „Aktivierungsprogramm Visitenkarten“ des Landesmusikrates NRW aus Mitteln des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen.

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